Retro der Woche 14/2025

Ofer Comay baut, da kann man sich drauf verlassen, stets strategisch anspruchsvolle und interessante Aufgaben, und so habe ich mich sehr gefreut, im Rahmen der Bewertung der Einsendungen zum 12. WCCI mit wieder einige Stücke von ihm intensiver anschauen zu können, die ich bisher noch nicht kannte. Eines davon möchte ich euch heute zeigen.

Ofer Comay
Variantim 2023
Beweispartie in 33 Zügen (14+14)

 

Ein recht langes Stück, und sicherlich kein leicht zu lösendes! Schauen wir zunächst einmal nach offensichtlichen Schlagfällen: Da sehen wir auf bei Weiß einen: axb. Und beide fehlenden weißen Steine wurden von Bauern geschlagen, wir sehen dxe6 und gxf. Bei Schwarz fehlt [Ba7] sowie [Lc8], bei Weiß [Bg2] und [Bh2]. Was bedeutet das für unseren weiteren Vorüberlegungen zur Lösung — was passierte vor allen Dingen mit den fehlenden Bauern? Kann vielleicht Schwarz auf der f-Linie den [Bg2] geschlagen haben?

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Retro der Woche 13/2025

Nachdem wir uns in den letzten Wochen hier intensiv mit ziemlich neuen Aufgaben beschäftigt hatten, wollen wir heute auch zeitlich einen echten “Blick zurück” werfen: Das Jahr 1972 — ich kann mich noch gut an die olympischen Spiele in München erinnern, an die wirklich fröhlichen Spiele bis zu dem grausamen Attentat auf das israelische Olympiateam, bis zu dessen schreckliches Ende in Fürstenfeldbruck.

In diesem Jahr, in diesem September erschien das heutige Stück, dessen eigentliche Geschichte aber noch weiter zurückgeht.

Josef Haas und Karl Fabel
The Problemist 1972
#1 vor 35 Zügen, Hilfsretraktor (11+12)

 

Hier spielen also Weiß und Schwarz abwechselnd Züge zurück, sodass nach der 35. Rücknahme von Weiß dieser einzügig Matt setzen kann. Und Schwarz hilft mit seinen Rücknahmezügen dabei, solch eine Stellung herbeizuführen.

Wir sehen gleich, dass Schwarz mit der Rücknahme beginnen muss, da der weiße König im Diagramm im Schach, sogar matt ist. Also nimmt Schwarz Tc7-c8# zurück — kann er dabei auf c8 geschlagen haben?

Zunächst einmal sehen wir, dass sowohl Weiß als auch Schwarz viermal mit ihren Bauern geschlagen haben: Schwarz bxc, dxc und fxexd, Weiß b2xc3xd4xe5 und h5xg6.

Dabei kann der [Ba2] nicht durch einen Bauernschlag verschwinden, er kann auch selbst nicht geschlagen oder schlagfrei umgewandelt haben — er wurde also von einem schwarzen Offizier geschlagen, und damit sind alle fehlenden Steine geklärt.

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Retro der Woche 12/2025

Wieso die Spezialform des Serienzug-Hilfsmatts, mit der wir uns heute beschäftigen wollen, mit dem Attribut “konsequent” beschrieben wird, hat sich mir noch nie so ganz erschlossen. Vielleicht wegen “konsequenter Amnesie”? Jedenfalls definiert sie das Schwalbe-Problemschachlexikon so:
“Ein Serienzüger, bei dem nach jedem Zug die Retroanalyse der Stellung neu durchgeführt wird (also ohne Kenntnis früherer Züge und Analysen). Beispielsweise wird eine Rochade wieder möglich, wenn König und Rochadeturm auf ihre entsprechenden Felder ziehen (weil in der neuen Analyse ‘vergessen’ ist, dass beide bereits gezogen haben).”
Damit sind nette Spielereien mit Mehrfachrochaden möglich — aber auch tiefsinnigere Retro-Überlegungen, wie in dem Stück, das wir uns heute gemeinsam anschauen wollen:

Thierry Le Gleuher
The Problemist 2022, 3. Lob
Konsequentes Serienzughilfsmatt in 31 Zügen (7+11)

 

Weiß hat nach 31 schwarzen Serienzügen ja nur den Mattzug; das schränkt die Möglichkeiten des Mattsetzens schon deutlich ein. Der wLb6 taugt hier zum Mattsetzen überhaupt nicht, da dazu der schwarze König sein Eckfeld verlassen müsste — das aber funktioniert nur ohne den Läufer.

Das einzig vorstellbare Matt ist axb7#. Das aber setzt voraus, dass sTa7 das Mattfeld b7 nicht mehr deckt. Heraus kommt er aber nur, wenn er nicht den wBa6 schlagen will, nachdem wLb6 verschwunden ist. Dann aber muss a7 dem schwarzen König auf andere Weise unzugänglich gemacht werden. Weiß kann das Feld nicht selbst decken, also muss es durch Schwarz blockiert werden. Wer kommt dafür in Frage?

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Retro der Woche 11/2025

Zum WCCI 2022-2024 werden natürlich auch eine Menge Märchenretros eingeschickt, auch einige, die je nach Ansicht des Richters unter Märchen fallen oder nicht. Manche rechnen Einfärbe-Retros zu den Märchen, für mich ist das eine klassische Forderung — nicht im Sinne von “mindestens 100 Jahre alt”, sondern eine Fragestellung, die sich gemäß der orthodoxen Schachregeln retroanalytisch beantworten lässt — auch wenn das Diagramm natürlich nicht besonders orthodox ausschaut.

Dimitrij Baibikov
Phénix 2024
Färbe die Steine! Letzte 27 Einzelzüge (30)

 

Speziell bei der Ableitung der Argumente für die Einfärbung orientiere ich mich stark an der vom Autor angegebenen Lösung.

Alle 16 Bauern stehen im Diagramm, es gab also keine Umwandlungen. Auf der b- und der f-Linie stehen je drei Bauern; daher wurden die beiden fehlenden Steine von Bauern auf diesen Linien geschlagen. Auf den c-, d-, e-, h-Linien gab es keine Schläge (es fehlen nur zwei Steine), also sind die Bauern c3, d2, e2, h2 weiß und c4, d6, e7, h5 schwarz.

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Jubiläum der Lüneburger Landeszeitung

16.3.2025: Update der Ausschreibung!

Es gibt nur noch wenige Tageszeitungen mit einer regelmäßigen Problemschach-Rubrik. eine davon ist die Lüneburger Landeszeitung. Die dortige Problem-Rubrik wird von Carsten Ehlers geleitet, und von ihm erhielt ich die Ausschreibung zum Jubiläumsturnier anlässlich des 3000. Urdrucks dort, wobei es “irgendwie” auch um Retro gehen kann, denn gefordert sind Drillinge, die auf diese Phasen verteilt den Valladao-Task (Umwandlung, Rochade und e.p.-Schlag) zeigen.

Details findet ihr in der Ausschreibung; Einsendungen bis zum 10. Juni 2025 an Carsten Ehlers, Richter ist Andreas Thoma, dem ein Preisfonds von 400 EUR zur Verteilung bereitsteht.

Retro der Woche 10/2025

Vorgestern hatte ich auf die Ausschreibung des 12. FIDE WorldCup aufmerksam gemacht. Beim 11. hatte ich die Ehre und das Vergnügen, die Retro-Abteilung zu richten; den überlegenen 1. Preis von Joachim Hambros hatte ich im Retro der Woche 36/2023 vorgestellt. Das Stück hat der damals gerade zwanzigjährige Autor jetzt selbstverständlich zum WCCI 2022-2024 eingeschickt — aber natürlich auch noch fünf andere Aufgaben, vor denen ich eine hier vorstellen möchte.

Joachim Hambros
Die Schwalbe 2024
Beweispartie in 18 Zügen (15+15)

 

Auf beiden Seiten fehlt nur jeweils ein Bauer, und das Zählen der sichtbaren schwarzen Züge ist schnell erledigt: vier! Allerdings sieht man, dass der letzte schwarze Zug Sa6-b8+ gewesen sein muss, also mindestens sechs Züge. Das ist aber nur ein Drittel all seiner Züge!

Und bei Weiß?

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FIDE Album 2022-2024

Nun geht es Schlag auf Schlag: Heute ist die Ausschreibung fürs FIDE Album 2022-2024 veröffentlicht worden. Einsendeschluss ist der 1. September 2025.

Mit diesem Album gibt es wieder einige Änderungen an den Randbedingungen, da facto haben wir nun zwölf Abteilungen. Dadurch sind die Retros aber dennoch weiterhin Abteilung H, aber die Abteilungen E (Hilfsmatts) und G (Märchenschach) sind in jeweils drei Unterabteilungen gegliedert.

Schaut euch die Ausschreibungsbedingungen genau an, bevor ihr eure Einsendungen vorbereitet; es gibt viel zu beachten!

Retros müssen an den Direktor Silvio Baier (silvio.baier@gmx.de) geschickt werden; Richter sind Andrij Frolkin (Reserve: Kostas Prentos), Thierry le Gleuher und Reto Aschwanden für Beweispartien sowie Andrew Buchanan für andere Retros.

WCCC Website

Das 67. WCCC, verbunden mit der 48. WCSC, findet, wie auch hier schon gemeldet, vom 5. bis zum 12. Juli 2025 in Alba Iulia / Rumänien statt. Nun ist auch die offizielle Website der Veranstaltung online. Über die könnt ihr euch auch (bitte bis zum 15. Mai 2025!) anmelden.

Über noch auszuschreibende (Retro-) Kompositionsturniere werde ich natürlich hier berichten.