Retro der Woche 14/2021

Beim Andernach-Treffen 2008 hatten Hans Gruber, Ulrich Ring und ich vereinbart, uns als „Richter-Kollektiv“ anzubieten, um noch ausstehende Preisberichte zu erstellen — nicht nur für Die Schwalbe, sondern auch für andere Zeitungen.

Für das Jahr 2005 war in der Schwalbe kein Retro-Preisrichter benannt worden, sodass wir Anfang 2010 diese Aufgabe übernahmen; in Andernach haben wir nach vorheriger Diskussion per Mail die Schluss-Abstimmung vorgenommen.

Heute möchte ich aus diesem qualitativ hervorragenden Turnier den ersten Preis vorstellen; die Aufgabe gehörte zu den sechs, die Reto Aschwanden zum WCCI 2004—2006 einreichte, bei dem er den Weltmeistertitel im Komponieren von Retros gewann.

Reto Aschwanden
Die Schwalbe 2005, 1. Preis
Beweispartie in 20 Zügen (14+11)

 

Bei Schwarz sind nur zwei Züge des Königs sichtbar, ansonsten scheint es so, als müsse sich Schwarz „nur“ um das Schlagenlassen seiner fünf fehlenden Steine (beide Läufer, drei Bauern) kümmern.

Bei Weiß hingegen sind im Diagramm alle 20 erforderlichen Züge sichtbar, bis auf wenige Ausnahmen (Bg6, Sh2) sind auch die „Zugwege“ aller weißen Steine erkennbar.

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Mark Bassistyj

Wie ich von Andrej Frolkin erfahren habe, ist der ukrainische Problemist Mark Boryssowytsch Bassistyj (Марк Борисович Басістий, 31.8.1957—21.3.2021) am letzten Sonntag verstorben; Andrej und Mark kannten sich seit genau 40 Jahren.

Mir ist er zuletzt im Zusammenhang mit meiner Problemschachlexikon-Bibliographie besonders als Organisator und Herausgeber von Wörterbuch der Problemschach-Begriffe. Verlag Книга (Bücher), Kiew 2004 (Сло-варь терминов шахматной композиции (Составитель Басистый М.Б.) Киев, издательство “Книга”) mit 820 Diagrammen auf 624 Seiten aufgefallen. Zu den verschiedenen Problemarten gibt es einzelne Kapitel, in denen deren spezifischen Begriffe erläutert werden; der Retro-Teil stammt von Andrej Frolkin.

Mark war FIDE-Meister der Schachkomposition mit 15,49 Album-Punkten, sein Haupt-Kompositionsgebiet war der Zweizüger, aber gelegentlich hat er sich auch im Retro-Bereich getummelt, meist in Gemeinschaftsaufgaben. Die PDB enthält nur zwei Retros von ihm, WinChloe allerdings derer elf. Eines davon mit hübscher Zwillingsbildung möchte ich euch „für zwischendurch“ zum Lösen empfehlen:

Mykola Griva & Mark B. Bassistyj
Problemist Ukraini 2007, Andrej-Frolkin-50-Turnier, 3. Preis
a) Beweispartie in 10,5 Zügen? b) Hilfsmatt in zwei Zügen (14+14)

 

Die Lösung wie immer in etwa einer Woche hier!

Lösung

b) 1.Lf8 Se6 2.De7 Sxc7#

Doppelte Rückkehr, DL-Bahnung in der Beweispartie, LD-Bahnung im Hilfsmatt.

Retro der Woche 12/2021

(Erst) jetzt ist der Preisbericht vom letztjährigen Champagne-Turnier erschienen: Dieses regelmäßig aus Anlass des WCCC von Michel Caillaud ausgerichtete Retro-Kompositionsturnier wird normalerweise zum Ende des jeweiligen WCCC gerichtet, die Preisverleihung erfolgt noch beim Treffen. Da das 2020 ja Corona-bedingt ausfiel, konnte sich Michel nun etwas mehr Zeit fürs Richten lassen …

Thema war „capture in the air”: Ein Original-Offizier wird von einem anderen Offizier geschlagen, der geschlagene hat mindestens einmal gezogen und selbst nicht geschlagen. Zum Zeitpunkt des Schlags gibt das Schlagopfer kein Schach, ist auch nicht gefesselt.

Wie üblich gab es zwei Gruppen: (A) Beweispartien und (B) sonstige Retros. Heute möchte ich den ersten Beweispartie-Preis vorstellen:

Andrej Frolkin
Champagne-Turnier 2020, 1. Preis Gruppe A
Beweispartie in 22 Zügen (14+13)

 

„Ich bin kein großer Freund von Umwandlungssteinen im Diagramm (Dc7, Ta6 und gar Lh1), aber die sind hier durch das exzellente Spiel und den originellen Inhalt kompensiert.“ (Preisrichter Michel Caillaud) – da können wir uns ja auf eine interessante Beweispartie freuen!

Bei Weiß sind zwei Offiziere umgewandelt, am zugökonomischsten sind das wTa6 und wDc7, die dann sieben bzw. sechs Züge benötigten. Darüber hinaus sehen wir noch vier weiße Züge im Diagramm, zusammen also 17. Damit haben wir fünf Züge Zeit, um die fehlenden weißen Läufer loszuwerden.

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Sparsamer geht es nicht

Kürzer als in der heutigen Zwischendurch-Beweispartie lässt sich das Thema nicht darstellen. Und wenn die Doppel-Homebase nicht zum Lösen einlädt, dann weiß ich es auch nicht…

Yaakov Mintz
feenschach 2010
Beweispartie in 7 Zügen (13+13)

 

Viel Spaß damit — und in einer Woche kommt hier wieder die Lösung!

 

Lösung

Durch Pronkin-Läufer geschlagener Donati-Springer. Kürzer lässt sich das nicht darstellen, und sicher auch nicht eleganter!

Retro der Woche 10/2021

Heute gehen herzliche Glückwünsche an den WDR zum Geburtstag „der Maus“: Die Sendung mit der Maus feiert heute ein halbes Jahrhundert… Für viele von uns sicher ein Begleiter durch die Kindheit — und auch durch die Erwachsenenzeit, speziell dann mit eigenen Kindern.

Als ich damals die Leserkommentare zur heutigen Beweispartie las, musste ich an ein anderes Kleintier denken. Warum, werde ich zum Schluss aufklären…

Michel Caillaud
Die Schwalbe 2013, 1. Preis
Beweispartie in 21 Zügen (11+14)

 

Das Diagramm verrät im ersten Moment nicht allzu viel über die Lösung: nur ein einziger Doppelbauer bei insgesamt sieben fehlenden Steinen, und bei Weiß sind nur wenige Züge sichtbar.

Allerdings hilft uns das Zählen der schwarzen Züge schon deutlich weiter: 3+2+3+3+4+6=21 – alle schwarzen Züge sind erklärt.

Das sind schon viele Informationen – vor allen Dingen sagen sie nicht nur etwas über das schwarze Spiel aus!

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Lesestoff

Auf der Website der Schwalbe ist in den letzten Tagen sehr interessanter Lesestoff eingestellt worden:

Viel Spaß beim Schmökern!

Manfred Rittirsch 60

Heute gehen ganz herzliche Glückwünsche nach Niederbayern, in den Landkreis Landshut, nach Buch am Erlbach, wo heute — für den, der ihn persönlich kennt, ist das kaum zu glauben! — Manfred Rittirsch sein sechstes Lebensjahrzehnt vollendet. Manfred ist ein unglaublich vielseitiger Komponist, großartiger, phantasievoller Konstrukteur, immer den künstlerischen Aspekt des Problemschachs betonend; er kommt bisher (WCCI und Album 2016–2018 sind noch nicht berücksichtigt) auf 56 Albumpunkte; der Großmeister-Titel ist sicher nur noch eine Frage der Zeit.

Ebenso ist er ein hervorragender Löser, Interpretierer und Kommentator, der gleichzeitig über riesige Literaturkenntnisse verfügt. Wer einmal seine ausführlichen Urdruck-Kommentare oder einen Preisbericht von ihm gesehen hat, weiß, was ich damit meine.

Nicht nur als Löser, auch als Komponist wendet er sich gelegentlich Retros zu. Einen großen Erfolg möchte ich euch hier zeigen. Mit Kenntnis der Quelle ahnt ihr vielleicht bereits das Thema — und dann ist es nicht mehr ganz schwer! Die Lösung folgt wieder in etwa einer Woche hier.

Manfred Rittirsch
Rehm-70 Turnier, Gruppe B 2014, 1. Preis
Beweispartie in 11,5 Zügen (14+15)

 

Für dein neues Lebensjahr(zehnt), lieber Manfred, wünsche ich dir persönlich und sicher auch im Namen aller Leser hier alles denkbar Gute, weiterhin viel Freude an und Erfolg bei unserem Lieblingshobby! Und heute lass dich toll feiern!

Lösung

Darstellung des “Rehm-Themas” (vollständige “Umgehung eines Steins”, hier La3-c3 um Lb4 herum, dann ziehen beide Themasteine noch auf der Themalinie) — damit dann beide dort geschlagen werden. Unglaublich elegante und (zeit)ökonomische Darstellung.

Vertikalzylinder

Beim Vertikalzylinder gelten alle normalen Schachregeln — nur gibt es keinen rechten und linken Rand des Bretts, sondern h- und a-Linie werden als direkt miteinander verbunden betrachtet. Ein schwarzer Stein auf h3 kann also nicht nur von einem weißen Bauern von g2 aus geschlagen werden, sondern auch von dem auf a2 — oder einem weißen Läufer auf c6, der dann via a4 nach h3 zielt.

Ich lade euch ein, das einmal an einem kleinen Beispiel auszuprobieren, das sicher nicht allzu schwer ist, wenn ihr euch erst einmal überlegt, dass der schwarze König (durch ein Wieviel-Schach?) Matt ist.

Michel Caillaud
St-Germain-au-Mont-d’Or 2016, 2. Preis
Beweispartie in 7,5Zügen, Vertikalzylinder (15+15)

 

Natürlich findet ihr die Lösung wieder in etwa einer Woche hier.

 

Lösung

1.e4 Sa6 2.e5 Sg5 3.e6 fxe6 4.h4 Kf7 5.Th3 Kg6 6.Te3 Kh6 7.Te2 Ka6 8.Txe6#

Vierfach-Schach durch Te6 (2x), Lf1 und Dd1 (via h5).